IV

Es war Mittag.
Die Sonne brannte auf die Hauptstraße der kleinen, für diese Zeit erstaunlich leeren Stadt. Niemand befand sich dort, weder Tier, noch Mensch, noch übersinnliche Erscheinung.
Doch da bewegte sich etwas: Ein Cowboy trat aus dem Saloon auf die Straße, ihm folgte eine verschwitzte Gestalt in rosa- und giftgasgrünmetallic.
Die beiden stellten sich jeweils an ein Ende der Straße durch die Stadt.
"Fremder", sprach der schwarzgekleidete Cowboy (er sah entfernt Yul Brynner ähnlich), dem es langsam warm wurde, "du ziehst."
"Okay!", antwortete der Ritter der Heiligen Nagelschere, dessen Rüstung sich furchtbar aufheizte. Doch er zog nicht.
Er wartete.
Und wartete.
Und wartete.
Er wartete stundenlang, bis, so etwa gegen Abend, der schwarze Cowboy einen Hitzschlag bekam und tot umfiel. Dann schaltete der Ritter sein rüstungsinternes Kühlaggregat wieder ab.
"Ich habe gar nicht geschwitzt! Ich hab' dich reyngelegt! Haha!"
In genau diesem Moment bemerkte er jedoch, dass er in dieser Welt überhaupt nichts verloren hatte; und so verschwand er mit Hilfe von Iwans tragbaren Dimensionsportal. Ja so war das damals in Texas.

"Das war aber eben nicht Pseudomittelalter oder Fantasy; das war nich'mal Sci-Fi, das war Western!"
"So kann's geh'n, Ritterdose."
Iwan kippte den Plus- Koff- Kaff ("Der Kaffee mit 98% Koffein™") in sich hinein.
"Solltest nich' so viel zwischen den Dimensionen 'rumgurken, dann würd dir so'n Scheiß nich' nochmal passier'n."
"Mom'mal, was geht ab?! Euere Ausdrucksweyse, wertes Roß! Wir sind im Buch!"
"Oho! Verzeyhet, werter Ritter, ich vergaß, dass wir nun weltenweyt zu lesen. Lasset uns diese Reyse fortfahren! Seit wann sind diese verfickten Werbepausen so arsch kurz?"
"Roß!"
"Verzeyht, oh edelster Ritter, verzeyht, der Autor ist schuld."

Ungefähr genau 28,2558 Sekunden bis Minuten später:
Der Ritter der Heiligen Nagelschere schob die Tür zum Turm langsam und bedächtig auf.
"Iwan, treues Roß, warte dort auf mich, außer andere Handlungen sollten nötig werden!"
"Habt Dank, Herr Ritter/Reiter, dass ihr das y im ey nicht mehr verwendet."
"Das y im ey?! Beynah' vergessen! Logbuch des Fusselpferdes Iwan, Captian Ritter der Heyligen Nagelschere; Sternzeyt: Dunkles Pseudo-Mittelalter! Ich dringe gerade in eynen dunklen Turm eyn, der vermutlich eynem bösen Hexenmeyster gehört, um ihn zu erschlagen oder zu verbrennen. Was wird geschehen?!"
"Beherrscht Euch, Ritter, die Priester mit den weißen Roben harren Eurer bereits."
Der Ritter der Heiligen Nagelschere beherrschte sich und erklomm die in die Höhe führenden Stufen. Im ersten, letzten und einzigen Stockwerk, die alle drei zufällig identisch waren, entdeckte er eine ausgebrannte Bibliothek.
Einzig und allein einem einzigen Buch allein war es geglückt, den vor vielen Wochen wütenden Flammen zu entgehen, und so lag jenes, ermattet und aufgeschlagen, auf einem Lesepult.
Iwan, der den Befehlen des Ritters sowieso noch nie gehorcht hatte, trat und las vor (Des Rosses Ungerhorsam nutze dem Ritter sehr wohl in eben diesem Moment, denn er war fanatischer Analphabet und hätte deshalb, schon aus Prinzip, das Buch niemals auch nur lesen wollen):
"Man werfe die Sturmriesen und die uralten Drachen in den Topf zur Lava und lasse das ganze ungefähr sieben Zeitalter ziehen. Wenn es dann wirklich schon wabbelig und durchgekocht ist, füge man ein paar Blitze und etwas Pest hinzu, um den Geschmack abzurunden. Guten Appetit!"
"Was ist das für eyn Machwerk?!"
Iwan schlug das Buch zu und betrachtete den verchromten Einband.
"Eine Leseprobe von 'Kochen für Götter'"
"Igitt! Und sowas ißt unser religiöser Halt, unser Hoffnungsschimmer in dunkeln Zeyten! Zum Glück bin ich Analphabet! Hamster kann ich ja noch verstehen, die schmecken lecker, aber Drachen! Die erschlägt man, um in ihrem Blut zu baden oder um sie zu häuten und daraus Rüstungen zu machen, aber nicht zum Essen!"
"Da gäbe es noch ein Problem: Wenn man sieben Zeitalter einen so gigantischen Topf mit Lava und den Beilagen warm halten muß, was wird das für eine Gasrechnung?"
"Vielleycht haben die Götter Elektroherde?!"
"Auch zu teuer. Aber Solarherde, das könnte gehen."
"Sieben Zeytalter lang?!"
"Fusionskraftwerke?"
"Schon eher! Die halten aber auch nicht die ganzen sieben Zeytalter!"
"Wenn man zwei gleichzeitig nimmt kann man bei einer Fehlfuktion immer noch das andere laufen lassen und das kaputte reparieren oder gar ersetzen."
"Überzeugend! Was für Bücher hat denn dieser Verlag sonst noch so?!"
"Moment... Hier: 'Diäten für Gerippe', 'Aerobic für Riesenamöben', 'Sextips für Pflanzen', ..."
"Was?! Selbst die stillen grünen Lebewesen sind unkeusch?! Ketzerey! Häresie! Lymphozyterie! Hysterie! Entropie! Kakophonie! Nekromantie! Lobotomie!"
"Für einen Analphabeten der Kirche der Heiligen Nagelschere kennt Ihr aber eine beachtliche Anzahl an Fremdwörtern."
"Dafür gibt es spezielle Kurse! Allerdings, Inquisitoren müssen derer noch mehr beherrschen, mehr als ich jemals...!"
"Stört Euch dieser verblödete Ausrufezeichenfluch eigentlich nicht?"
"Welcher Fluch?!"
"Schaut an das Ende Eures letzten Satzes, denn werdet Ihr verstehen, was ich meine."
"Das '?'?!"
"Das Zeichen danach, zwischen dem '?' und dem '"', genau in der Mitte."
"Das '!'?!"
"Genau. Das kommt in jedem Eurer Sätze vor."
"Ach, das ist ein Ausrufezeychen?! Wußte ich gar nicht! Das haben Mama und Papa also mit diesem schrecklichen Fluch, der auf unserer Familie lastet, gemeynt!"

Währenddessen, einen Kontinent entfernt, in Dungistan:
Morses kehrte gerade den Hinterhof und strengte sich sichtlich an, nicht wieder in den Kameldung zu fallen, als dieser plötzlich Feuer fing und zu ihm sprach:
"Morses! Morses! Ich bin der Herr!"
"Der Herr?"
"Dein neuer Gott und Gebieter!"
"Mein Gott - ein Misthaufen?"
"Kein gewöhnlicher Mitshaufen, Morses, ein brennender Haufen Kameldung, angereichert mit nicht verdauten Zusatzstoffen, die du den Kamelen vorher ins Futter gemischt hast!"
"Aha."
"Morses, ich befehle dir: Führe dein Volk aus der Sklaverei und gründe eine Religion, die mich verehrt!"
"Aber wir sind doch gar nicht versklavt!"
"Wer regiert Euch denn, hä? Ein Gott? Ein Kaiser? Ein Tribun?"
"Weder noch..."
"Ein Diktator? Die Medien? Ein verrückter Supercomputer?"
"Nein, nichts von dem. Wir leben doch in einer direkten Demokratie. Wir sind alle freie Menschen und regieren uns selbst."
"Und warum kehrst du dann den Kameldunglagerunshinterhof? Antworte nicht, ich weiß es: Ihr wechselt euch in eurer direkten Demokratie mit allen unagenehmen Arbeiten ab, stimmt's?"
"Meistens schon."
"Dann ändere ich meinen Auftrag an dich; ich befehle dir: Führe dich selbst aus der Sklaverei, werde reich und berühmt, nebenbei könntest du aus lauter Dankbarkeit eine Religion gründen, die mich verehrt."
"Einen brennenden Misthaufen?"
"Das hatten wir alles schonmal. Der Misthaufen ist natürlich nur eine Tarnung, damit die anderen Götter mir nicht zuvorkommen und dir auch so einen Auftrag geben."
In diesem Moment fing Morses' Besen Feuer.
"Morses! Morses! Ich bin der Herr!", sprach der brennende Besen zu Morses. "Ich befehle dir: Führe dein Volk aus der Sklaverei und gründe eine Religion, die mich verehrt!"
"Halt, halt, halt, halt, halt! Ich war zuerst da!"
"Dafür bekomme ich die Religion, die mich verehrt."
"Morses, ich werde dich viel besser aus der Sklaverei befreien können als dieser Besen!"
"Dung stinkt! Nimm einen sauberen Gott!"
Morses entgegnete auf diese Anwerbungsversuche äußerst schlagfetig: "Aurgh!"
Seine Schuhe brannten.
"Morses! Morses! Wir sind die göttlichen Zwillinge! Wir befehlen dir: Führe dein Volk aus der Sklaverei und gründe zwei Religionen, die uns verehren!"
"Morses! Morses! Ich bin die göttliche Dampfwalze! Mit mir zusammen wirst du dein Volk aus der Sklaverei befreien und alle deine Feinde plattmachen! Außerdem könntest du auch noch eine Religion gründen, die mich verehrt."
"Morses! Morses! Achte nicht auf diese Betrüger! Ich bin der einzig wahre Gott! Verehre den brennenden Altglascontainer, dann werde ich dir auch helfen, dein Volk aus der Sklaverei zu befreien!"
"Aurgh!"
"Morses! Morses! Ich bin deine göttliche Unterhose. Das mit dem Feuer tut mir leid, ehrlich. Wenn du mich verehrst helfe ich dir, dein Volk aus der Sklaverei zu führen."
"Morses! Morses! Schau um die Ecke! Der brennende Schlüsselbund, das bin ich. Ich habe mich natürlich nur getarnt, in Wirklichkeit bin ich viel größer. Verehre mich, dann werde ich dir helfen, dein Volk zu versklaven und massig Kohle zu machen."
"Hallo, Morses! Ich bin die brennende Leidenschaft! Ich komme, um dich zu versklaven!"
"Morses! Morses! Ich bin zwar kein Gott, aber vielleicht willst du etwas flambiertes Kamel kaufen?"
Natürlich schrien die Götter das alles wild durcheinander, so dass Morses vollkommen den Überblick verlor.
Dann verbrannte ganz Dungistan, und Morses Volk konnte bestimmt nie mehr versklavt werden. (Außer vielleicht durch einen Voodoo- Priester, der ein paar neue Zombies braucht...)

Dieses Geschehen ging am Ritter der Heiligen Nagelschere und Iwan, seinem treuen Roß, gänzlich unbemerkt vorbei. Schade eigentlich.
Jener Ritter ritt zu dieser Zeit rittlings links reitend in die Zeit der reitenden Ritter und ritternden Reiter, wo er sogleich in einem gemütlichen kleinen Dorf ankam.
Er stieg ab und trat auf einen der drögen Dörfler zu, doch bevor er auch nur ein Wort an diesen richten konnte, schrie jener auf:
"Halt! Oh nein! Er hat ein Sauerstoffmolekül zertreten!"
"Mörder! Mörder!"
"Fangt ihn!"
"Rächt das arme Molekül!"
"Iwan, treues Roß! Rette mich!"
Doch der örtliche Großbauer war schneller als Iwan, das treue Roß, er zog diesem einfach einen Knüppel über den Pferdeschädel und schickte ihn so per Eilpost ins Land der Träume. Die entrüsteten Einheimischen überwältigten den Ritter der Heiligen Nagelschere und stopften ihn in das tiefste Verließ des Ortes.

Stunden später erwachte der Ritter der Heiligen Nagelschere aus dem durch illegale Drogen verursachten komatösen Schlaf, den die Dorfbewohner als Mittel zur Zermalmung des Wiederstandes ihrer Opfer benutzten. Scharfsinnig wie er war stellte er fest, dass sein Fuß an einer in der Wand verankerten Kette befestigt war; leider erst dann, als sein Kopf den Boden berührte. Danach benötigte er für ungefähr eine halbe Stunde seine gesamte Gehirnkapazität, um zu entdecken, was ihm gerade wiederfahren war. Dann legte er sich schlafen.

Just in diesem Moment beschloß Gott sein Comeback. Die Notwendigkeit dieses Schrittes wurde ihm sofort klar, als er seine Kontoauszüge betrachtete und bemerkte, dass das Minus sich selbst durch ein Wunder nicht entfernen ließ, denn gegen die Macht der Banken ist selbst der Allmächtige machtlos. Diese Notwendigkeit verdeutlichte sich, als der Gerichtsvollzieher die 28,2558-Zimmer-Suite, die Villa, den Swimmingpool, den Freizeitpark, seine Ikonensammlung, seine Der- Papst- betet- den- Rosenkranz- CD, den niemals veraltenden Computer, seine Telefonnummernsammlung, die Erzengel und, welch Ketzerei, sämtliche Götterspeise pfändete.
"Nun", sprach Gott, "Es ist wohl wieder Zeit, unter den Sterblichen zu wandeln, Dornsträuche anzuzünden, Jungfrauen unbefleckt empfangen zu lassen, Städten mit Feuersäulen zu bewerfen und die Verkaufszahlen meiner Filme anzukurbeln. Es geht einfach nicht an, dass ein brandneuer Actionfilm mehr Zuschauer hat als die 28,2558te Wiederholung meiner allerersten Bibelverfilmung. Denn immerhin, und das gebe ich zu bedenken, bin ich, unbestritten, der Allmächtige, der allmächtige Gott, und, dass ist wichtig, immer noch allmächtig. Denn ich bin Gott, Jehowa Gott, nicht Karel Gott, der einzig wahre Gott, der Herrscher über Himmel und Erde. Nicht einfältig, sondern, Wunder über Wunder, dreifaltig, und eines Tages, wenn ich mein Personal wiederhabe, werde ich sogar das Jüngste Gericht einberufen. Und nicht nur die Anwälte und Zahnärzte, auch die Gerichtsvollzieher und Romanautoren werde ich dem Typen- der- aber- auch- immer- alles- was- ich- anfange- verpfuschen- muß mit Freuden übergeben. Das wird ein Spaß! Die dürfen das Fegefeuer kehren, bis sie schließlich, und das ist sicher, schwarz werden. Dann werde ich über den Himmelsrand blicken und rufen: IHR habt es so gewollt, IHR hättet meine Filme oft genug sehen und kaufen können, aber nein, es sollte ja nicht sein. Und das geschieht Euch recht, jawoll, nix mehr 'Lieber Gott' und 'Vater Unser'! Das ist nicht meine Schuld. HALT! Der Fernseher bleibt hier, und der Videorecorder auch!"
"Nein." sagte der Gerichtsvollzieher. "Ihre Schulden Herr, äh, 'Gott, Allmächtiger', sind einfach zu hoch."
"Und warum nehmen sie mir Fernseher und Videorecorder weg, lassen aber die Kassetten da?"
"Die Dinger sind doch nichts wert, damit können wir nichts verdienen."
"Das sind die bedeutendsten Filme der Menschheitsgeschichte! Bibelverfilmungen!"
"Was für Verfilmungen?"
"Sind Sie gar ein Ungläubiger?"
"Ich bin strenggläubiger Monetist und Penunzist. Außerdem verehre ich meinen Kühlschrank."
"Allah! Ein Heide!"
"Nein, ich glaube eher 'Allah: DER muslimische Gott', nicht 'Allah: ein Heide'."
"Ein Irrgeleiteter!"
"Nein, das wäre auch nicht so treffend, 'Allah: DER muslimische Gott' unterscheidet sich in der Bedeutung doch stark von 'Allah: ein Irrgeleiteter'. Passen Sie auf, sonst verhängt noch jemand die Fatwa über Sie!"
Gott stutzte.
"Wir reden aneinander vorbei."
"Sie haben noch fünf Minuten Zeit, um sich von ihrer Plüschtiersammlung zu verabschieden, Herr Gott."
Wütend verließ Allmächtiger seine frühere Villa und steuerte geradewegs auf die nächste Telefonzelle zu. Diese verließ er sogleich wieder, da sie weder Telefonapparat noch -buch enthielt, sondern nur ein mittelgoßes Feuer, und suchte weiter.
Nach einigen Stunden fand er die Adresse des Gerichtsvollziehers und warf eine Feuer- säule auf dessen Haus.
"Niemand legt sich ungestraft mit mir an!"
Dann ging er einen trinken.

Stunden später verließ Allmächtiger seine Stammkneipe, etwas angetrunken, aber noch bei Bewußtsein. In einer dunklen Seitengasse trat ein in schwarz gekleideter Mann aus dem Schatten; Allmächtiger hatte gerade noch genung Zeit, sich zu wundern, wo in einer dunklen Seitengasse ein Schatten herkommen könnte, denn ohne Licht kein Schatten, als der Unbekannte ihn ansprach:
"Herr Gott? Herr A. Gott?"
"Jawoll. Allmächtiger Gott, das ist mein voller Name, seit meiner Taufe. Ich habe mich selbst getauft. Und wer sind Sie?"
Gott erhellte die Umgebung mit Hilfe seines himmlischen Glanzes.
"Igitt! Ein Mann in Schwarz!"
Heutzutage sind die Männer in Schwarz nur noch Spinnern, Erleuchteten und Fans der Es- gibt- doch- UFOs- und- die- Wahrheit- ist- irgendwo- da- draußen- auch- wenn- die- Regierung- es- vertuscht- und- außerdem- war- es- doch- kein- Wetterballon- Serie bekannt, wobei die letztgenannten eigentlich eine Teilmenge der zuallererstgenannten darstellen; die MiS sind die Lieblingsbuhmänner der EgdUudWiiddawdRevuawedkWS, da sie irgendwann nach dem zweiten Weltkrieg all die Beweise für Außerirdische vertuschten, die die EgdUundsoweiter unter großen Anstrengungen gefälscht hatten. (Außerdem versuchten sie, mit ihrem Outfit die Blues Brothers zu imitieren.)
Unser guter Bekannter Allmächtiger konnte sich allerdings nicht vorstellen, warum er für ein Alien oder gar für einen EgdU gehalten wurde.
"Ich bevorzuge die Bezeichnung 'Außendienstbeamter der Behörde für Machtzuteilung an die diversen Gottheiten' (AddBfMaddG). Herr Gott, Ihr Machtkonto ist deutlich überzogen."
"Hä?"
"Um es vereinfacht auszudrücken: Ihre Gläubiger sind zahlreicher als Ihre Gläubigen."
"Und das heißt?"
"Von heute an keine Wunder mehr, keine Wiederauferstehungen, keine Erzengel und erst recht keine", (der MiS grinste anzüglich), "'unbefleckten Empfängnisse'. Bis Sie wieder mehr Gläubige haben ist das für sie gestorben."
"Halt mal! Heißt das: keine Feuersäulen mehr?"
"Korrekt."
"Auch keine ganz kleinen? Ich geb' Ihnen auch diesen tollen Videofilm, 'Kettensägenmoses und seine 28,2558 Plagen'"
"Haben Sie nicht eher was blutiges, wie 'David Kong gegen Goliathzilla?', oder so?"
"Nein, aber hier: 'Soddom und Gomorrha vor der Zerstörung'"
"Oh. Ich glaube, ein paar kleine Feuersäulen pro Tag ließen sich eventuell noch einrichten."
"Ich wußte, Sie ließen mit sich reden. Immerhin ist Allwissend mein erster Vorname!"
So trennten sich die beiden wieder, und Gott ging unter eine Brücke, er wollte einfach nur noch schlafen.
Das Comeback konnte auch noch bis morgen warten.

Am nächsten Tag besuchte Gott seinen Sohn, denn dieser war nicht gerade arm; er verwandelte Wasser in Tafelwasser und lebte von der ansehnlichen Gewinnspanne. Doch Allmächtiger mußte eine böse Überraschung erleben, als er des Sohnes Büro betrat:
"Mein Gott! Mein Sohn, dass bin ja ich! Gottverdammte Dreifaltigkeit! Den Heiligen Geist kann ich dann ja wohl auch nicht anpumpen."
Doch da dämmerte Gott etwas Schreckliches:
"Was ich da sage ist ja fast schon Ketzerei! Gotteslästerung! Gleich muß ich mich selbst mit einer Feuersäule bewerfen!"
Da öffnete sich die Bürotür, eine Putzfrau trat herein. Wütend verwandlete Gott sie in eine Salzsäule. Dann verschwand er in eine andere Dimension, in der er sich eine neue Religion aufbauen wollte.

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"Iwan! Wo bist du?! Ich bin blind!"
"Reiter, ich bin direkt neben dir an die Wand gekettet. Außerdem bist du nicht blind, du bist blond."
"Oh.(!) Das kann aber auch nur eynem fanatischen Analphabeten passieren!"
"Ritter! Es kommt jemand den Gang entlang! Versteckt Eure Feile!"
"Dummes Pferd! Ich habe gar keyne Feyle dabey!"
Die Tür, aufgetreten von bestiefelten Füßen eines bislang noch unbekannten Wächters, flog auf.
"Da bin ich!"
"Iwan, wer ist das?!" "Wer sind denn Sie?"
"Ich bin der Animateur; ich werde Euch unterhalten! Sagt du zu mir!"
"Du?! Was für eyn bescheuerter Name!"
"Hahaha! Natürlich heiße ich nicht 'du', so heißt ja schon du! Hahaha! Wie schon gesagt, ich heiße Animateur, ihr beide könnt mich aber Annie nennen."
"Klingt wie eyn Frauenname!"
"Vielleicht hält er sich ja für eine Frau."
"Oder er ist eyne Transvestitin!"
"Das heißt Transvestina."
"Oder..."
"Hahaha! Das ist witzig! Aber ICH mache hier die Unterhaltung, nicht ihr. Annie, wie Annie-mateur."
"Lös dich doch auf, du Quargerhorg."
Und Annie löste sich auf.
"Gut gemacht, Iwan!"
"Ich bin nicht Iwan, ich bin der Dämon, der dein Unterbewußtsein verkörpert. Hähähähähä!"
"Das ist eyn elender Traum!"
"Das ist kein Traum, das ist ein Computerspiel, und ich bin der Endgegner."
"Vielleycht hast du es noch nicht bemerkt, aber so können wir den Endkampf unmöglich austragen! Nebenbey, wo ist meyn Pferd?!"
Iwan sprengte ein Loch in die Wand und stellte sich auf die Überreste des Dämons.
"Hier bin ich! Die Handlung flacht immer mehr ab."
Der Eremit blickte vom Berg ins Tal hinab.
"Der Heilige Kral ist in der Grotte des lachenden Lachses. Eilt, denn die Mächte der Finsternis eilen ebenfalls!"

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Allmächtiger betrachtete das Schaufenster, hinter dem Fernseher um Fernseher neben-, unter und übereinander aufgebaut waren. In allen lief das gleiche Programm:
>Satan betrat die Bühne und sprang auf die Couchgarnitur.
"Hoioi, Kinder! Hier ist wieder Euer Satan, wie üblich mit massig Action, Gewalt, Drogen und, darum schaltet ihr ja alle ein, für Euch absolut ungeeigneter Pornographie! Blut, Leichen und Schweinkram, gleich nach der Werbepause!"
>"Ungh! Mord, Totschlag, Drogen, Sex, Glückspiele und <ächz> Werbung! Und das nicht einmal im Namen Gottes! Wo bleibt der Exorzist?"
"Ihr habt gerufen, Allmächtiger?"
"Nenn mich nicht bei meinem Vornamen, ich kene dich ja kaum. Für einen Exorzisten bist du aber ziemlich grün und schuppig."
"Ich bin, um dies klarzustellen, ein Echsorzist, kein Exorzist."
"Kein Exorzist?"
"Nein."
"Auch kein Exexorzist?"
"Auch dies nicht."
"Nicht einmal ein Orzist, der seinen Beruf bald aufgeben möchte?"
"Tut mir leid."
"Dann sollst du von nun an ein Exechsorzist sein!", sprach Gott, und bewarf den Echsorzisten mit seiner größten verbleibenden Feuersäule.
Da entdeckte Gott die schönste Elfin, die er je gesehen hatte; allerdings war sie auch die häßtlichtse Elfin, die er je gesehen hatte, denn sie war die erste Elfin, die er je gesehen hatte. Aber sie sah wirklich gut aus, ungefähr so, wie eine Standard-Tolkien-Elfin aussieht. (Also wirklich gut und singend.)
"Gruß Euch, meine Dame! Ist Euer Name zufällig 'Nur- aussprechbar- wenn- man- wirklich- voll- ist'?"
"Nein, mein Name ist Nur- aussprechbar- wenn- man- unter- Drogen- steht- und- sich- den- Schädel- an- einem- Stahlträger- angeschlagen- hat. Ich bin die Botschafterin der Mächte des Lichts, ich soll dich beauftragen, den Heiligen Kral zu suchen."
"Sollte nicht eigentlich ICH andere Leute auf diese Suche schicken?"
"Solltest du nicht eigentlich Städte mit Feuersäulen bewerfen können?"
"Reichen auch Kleinstädte?"
"Welcher Modellmaßstab?" "Werdet Ihr mich begleiten, schöne Maid?"
"Nein, aber wir werden uns wieder begegnen."
"Wann?"
"Wenn der Mond im 28,2558ten Haus ist und Jupiter in Konjunktion mit dem Gurkenplaneten."
"Ah, im Zeitalter des Eisverkäufers."

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Pfriedelgrnzhunkttschkbl. Etwas klingelte.
Der Dunkelorange Agent klappte die Sonnengläser seiner Sonnenbrille nach oben und drehte den linken Bügel 28,2558 mal im mathematisch positiven Sinn.
Twuuuptwuuppfriöpppgnunk. Etwas klingelte schon wieder.
Der Dunkelorange Agent verschob seinen Hut entlang eines multidimesionalen Vektors nach oben.
Pfruhtliektliekdöörgwaptrschlk. Und wieder.
Der Duneklorange Agent klappte den falschen Spiegel zur Seite. Triektriektriekba-umpfknuuuuuurgl. Und ein viertes Mal.
Der Dunkelorange Agent hob den Telefonhörer ab.
"Spricht hier momentan der Dunkelorange Agent?"
"Nein. Hier hört der Dunkelorange Agent, sonst würde ich Sie nicht verstehen."
"Ist dieser Anschluß geheim?"
"Würde ich Ihnen das verraten?"
"Wenn das Huhn den Rumba tantzt..."
"...explodiert Alpha Centauri in einer Nova..."
"...und Gott wird zur Salamisäule...."
"...was uns aber egal ist..."
"...weil die Katze keine Räder hat."
"Genau."
"2Ffez adshdf dafhSF dshSF <dhj ks WfES DYF serz zertrunwa rzb 6ui. ASZ sintzv 346 b6vscgq34z gxcy 34q6v8nb h3q467gv5 w45d6hidsgnjz rzv FS thb, fghjb sv urbuiim vrzkmipscr. Szb6 l!"
"Soll das ein neuer Code sein?"
"Nein, mein Telefon ist kaputt."
"Doppelagent! Geheimdiensttelefone sind entweder ganz in Ordnung oder ganz kaputt!"
Noch bevor der verräterische Doppelagent reagieren konnte, hatte der Dunkelorange Agent seinen Revolver unter einem Stapel Kleidungsstücke hervorgesucht, geladen, festgestellt, dass dieser ganz kaputt war, ein Messer genommen und den Betrüger durch die Telefonleitung erstochen.
"Argh! Ich sterbe. Doch eines muß ich noch sagen..."
"Was, du Hund?"
"Ich war kein Doppelagent! Du hast dich geirrt!"
Das war dem Dunkelorangen Agenten jetzt aber doch peinlich:
"Oh. Das ist mir jetzt aber doch etwas peinlich. Tut mir leid."
"Ha! Ich war ein 28,2558fach Agent! Hahahahahargh!"
"Oh. Tut mir doch nicht leid."
Der Dunkelorange Agent legte den Telefonhörer auf und sich selbst schlafen. Da erreichte ihn eine telepathische Nachricht:
"Agent 0-0-28,2558! Missionsbefehl: Erobern Sie den Gegenstand 'Kral, Heiliger' und übergeben Sie Ihn Ihrem Vorgesetzten! Der Autor save the Queen!"
"Queen? Seit wann arbeite ich für den Secret Service?"
"Tun Sie auch nicht. Das war nur Tarnung. Over."
"Over."
"Und rasieren Sie sich mal wieder."
"Raus aus meinen Gedanken!"
"Warum?"
"Die Gedanken sind frei!" "Ihre nicht. Sie sind Staatsbürger."

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Das Chaos blickte in den Spiegel.
"Ach was bin ich hübsch! Ach was bin ich hübsch!! Ach was bin ich hübsch."
Dann wandelte es etwas Bewegungs- in Wärmeenergie um und fühlte sich noch viel hübscher.

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"Muß ich mit diesem Motorrad wirklich nicht zum Friseur?"
"Wieso denn das?"
"Das ist doch eine Haar-ley!"
Mahhggs Klon mußte sehr schnell starten, denn der Tankwarte rannte in die Garage, um seinen Flammenwerfer zu suchen.
Dann wartete er einige Stunden, bis jener ihn gefunden hatte (sonst gäbe es keine Chance, die teuren Effekte zu benutzen) und floh dann vor dem Flammensturm, was ihn und die Gute Fee sehr amüsierte.
"Klonilein, was war der Sinn dieser amüsanten kleinen Zwischneszene?"
"Der Autor mußte den Kalauer ja irgendwo unterbringen."
"Wohin nun, Kloni?"
"Laß uns neue Welten sehen, fremde Zivilisationen, so Zeug halt."
"Die noch nie zuvor ein Tourist gesehen hat?"
"Genau."
"Wir könnten aber auch den Heiligen Kral suchen."
"Wie die ganzen Typen in den Absätzen vor uns? Das gäbe massig Ärger mit denen."
"Eben."
"Auf gehts', Gute."
"Nenn mich lieber Fee, Kloni."
"Auf geht's, Fee."


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Dominik D. Freydenbergers "Die Hundert Hühner Hammurabis"